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Die Bengal: Rassebeschreibung der Leopardette

„Gott schuf die Katze, damit der Mensch einen Tiger zum Streicheln hat“, so lautet ein Sprichwort des französischen Schriftstellers Victor Hugo, das unter Katzenliebhabern weit bekannt ist. Werfen wir einen Blick auf die Bengalkatze, so schien der Tiger dem Menschen irgendwann nicht mehr genug gewesen zu sein. Sportlicher, eleganter, aber vor allem wilder sollte die Rasse sein, bei der sich Züchter den Leoparden, Schneeleoparden, Ozelots und andere Wild- und Raubkatzen zum optischen Vorbild nahmen.

Übrigens...
Die korrekte, deutsche Übersetzung von Asian Leopardcat lautet eigentlich tatsächlich Bengalkatze. Da dieser Begriff jedoch bei uns synonym für die Bengal (Rassekatze) genutzt wird, habe ich mich hier für eine wörtliche Übersetzung des Namens entschieden.

Die Idee zur Bengal scheint jedoch nicht ganz ausschließlich auf die züchterischen Ambitionen einzelner zurückzuführen zu sein. Die erste Erwähnung einer angeblichen Kreuzung zwischen einer asiatischen Leopardenkatze (PRIONAILURUS BENGALENSIS, Wildtier) und den dort ansässigen, domestizierten Hauskatzen, fand bereits 1889 in einer Fachzeitschrift über Katzen erste Erwähnung. Noch als ein Gerücht, eine Sage beinahe. Von nicht überlebenden Jungtieren und infertilen (unfruchtbaren) Katern ist die Rede. Keineswegs zu Unrecht, wie sich in der späteren, gut dokumentierten Zucht der Bengal noch zeigt.

Die wilden Schönheiten stellen einige Ansprüche an ihre Halter. Foto: ReflectedSerendlpity - fotolia.com

Die wilden Schönheiten stellen einige Ansprüche an ihre Halter. Foto: ©ReflectedSerendlpity – flickr.com

Der wilde Look hat seinen Preis

Machen wir einen großen Sprung zu dem Zeitpunkt, an dem sich vorwiegend amerikanische Züchter zur Aufgabe machten, den Zufallshybriden aus Asien zu reproduzieren und optimieren. Kurz: eine menschenbezogene, wohnungsverträgliche Katze mit wildem Aussehen zu züchten. Asiatische Leopardenkatzen, ausschließlich Kater, wurden in Gefangenschaft gehalten und mit weiblichen Hauskatzen verpaart. Was so einfach klingt war es keinesfalls, denn der exotische Zuchtplan hatte seinen Preis. Der deutlich wehrhaftere, wilde Kater griff nicht selten die rollige Hauskatze an und tötete diese sogar zuweilen. Überlebte die Katze, so waren zumindest ihre männlichen Kitten unfruchtbar und damit für die Zucht nicht weiter interessant. Einige Elterntiere hatten generell Schwierigkeiten, die für sie artfremden Jungtiere als ihre eigenen anzunehmen, so dass es häufiger zu Handaufzuchten kam. Es war also nicht alles so harmonisch und schön wie das Äußere der Tiere zu den Beginnen der Bengalzucht. Heute finden Hybridenkreuzungen bei Bengalen – anders als beispielsweise der Savannah oder der Caracat – nur noch selten statt. Das macht die Zucht inzwischen vielleicht einfacher, jedoch keinesfalls günstiger. Mit der zunehmenden Einkreuzung von Hauskatzen und anderer Rassekatzen (Abessinier, Ocicats, Agyptian Mau) verliert sich natürlich das wilde Aussehen der Bengal und die klar angegrenzten Spots. Für gute und typvolle Zuchttiere gehen daher nicht selten über 3000€ über den Tisch. Auch Liebhabertiere sind von seriösen Züchtern nicht selten nur weit über dem „üblichen“ Preis (500 – 800 €) von anderen Rassekatzen zu bekommen. Auf das Geld schauen darf dennoch nicht, wer eine gesunde und vor allem menschenbezogene Bengalkatze sucht. Die gute und umfangreiche Sozialisierung ist bei dieser Katze noch wichtiger als bei vielen anderen Rassekatzen. Geschieht diese nicht frühzeitig und ausreichend, schlägt das Erbe der schönen „Wilden“ durch und sie wird scheu und zeitweise sogar aggressiv.

So ein Bengal-Kitten von einem seriösen Züchter kann manchmal mmit mehr als 1.200 Euro zu Buche schlagen. Foto: Roberto Shabs - flickr.com

So ein Bengal-Kitten von einem seriösen Züchter kann manchmal mmit mehr als 1.200 Euro zu Buche schlagen. Foto:© Roberto Shabs – flickr.com

Hand aufs Herz: Wie wild ist sie wirklich?

Eine ehrliche Antwort auf diese Frage zu bekommen – auf Katzenausstellungen fast unmöglich. Nun dürfen wir nicht vergessen, dass es hier für Züchter häufig darum geht, neue Kittenkäufer kennen zu lernen und sich interessant zu machen. Nicht jedem – wenn doch, hoffentlich, den meisten – liegt dabei das Wohl der Rasse am Herzen. So ist es schon vorgekommen, dass auf die Frage „wie wild ist sie wirklich?“ mit ausweichenden Bemerkungen geantwortet wurde. Ja, jede Katze schläft bis zu 16 Stunden am Tag. Und natürlich kommt auch die Bengalkatze unserer heutigen Zeit, 17 Jahre nach ihrer Anerkennung und damit nach mehreren Generationen der Domestikation, nicht mehr frisch aus dem Dschungel. Dennoch: die Bengal ist keine normale Hauskatze. Der athletische Körper schreit nach Bewegung, will rennen und springen. Und wo wir gerade beim schreien sind – Bengalen sind fordernd. Laut fordernd. Für Menschen, die nicht nur mit sondern auch zeitweise für ihre Katze leben wollen ist das kein Problem. Und die abwechslungsreichen Lautäußerungen der Bengal unterhalten, amüsieren und suchen ihres gleichen. Leider werden die Katzen gerade ob ihres schönen Aussehens jedoch viel zu selten wegen ihres einzigartigen Wesens angeschafft. So verkommen nicht wenig Bengalen in kleinen, nicht katzengerecht eingerichteten Wohnungen. Wird die Katze laut, benutzt Möbel aus Turnmöglichkeiten oder setzt aufgrund ihrer Liebe zu Wasser mit dem Wassernapf die Küche unter Wasser, hängt der Haussegen schief.

Bengalen sind nicht für jedermann geeignet. Man muss sie wollen, die Action und Abwechslung und manchmal auch das Chaos. Wer all das willkommen heißt, und nicht gerade zeitgleich auch noch freifliegende Wellensittiche beherbergt, der wird mit der Bengal glücklich.

Eine Bengal braucht viel Abwechslung und Klettermöglichkeiten - mehr als andere Rassen. Foto: Roberto Shabs - Flickr.com

Eine Bengal braucht viel Abwechslung und Klettermöglichkeiten – mehr als andere Rassen. Foto:© Roberto Shabs – Flickr.com

 

Infokasten
Für  Anfänger geeignet: Meistens geeignet
Für Familien mit Kindern geeignet: Meistens geeignet
Für größere Katzengruppen geeignet: Meistens geeignet
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Aktivitätslevel: Hoch
Haltungsaufwand: Mittel
Anhänglichkeit: Mäßig bis sehr anhänglich

Die Bengal und rassetypische Krankheiten

Wie bei den meisten Rassen, bei denen die Optik im Vordergrund steht, wurde auch bei der Bengal nicht immer darauf geachtet, dass Erbkrankheiten ausgeschlossen werden. Der oft hohe Inzuchtfaktor tut sein Übriges. Etwa jede sechste Bengal leidet an HCM. Ebenfalls häufig ist die progressive Retinaatrophie, bei der die Netzhaut der Katzen auf beiden Augen abstirbt. Das Tier erblindet. Eine dritte, auch häufig beobachtete Krankheit bei Bengalen ist die Trübung der Augenlinse. Interessenten von Bengalkatzen sollten Züchtern gerade wegen dieser Krankheiten auf den Zahn fühlen und genau nachfragen, was sie dagegen tun. Vor allem den jährlichen HCM Schall der Zuchttiere scheuen noch immer zu viele Züchter. Bei hochgradig betroffenen Rassen wie der Bengalkatze müssen Liebhaber jedoch darauf bestehen, nur bei Züchtern zu kaufen, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind.

du hältst oder züchtest Bengalen und kannst dieser Rassebeschreibung nicht zustimmen? Ich freue mich immer über Kritik in den Kommentaren. 

Titelfoto: ©hoen_media – fotolia.com

 

 

Entschuldigung, mein Tier ist alt

Manchmal ist es Zeit, ein Tier gehen zu lassen. „Über die Regenbrücke“, so der Ausdruck, der sich unter Menschen mit Tiere verbreitet hat. Wann dieser Zeitpunkt gekommen ist, lässt sich – leider? – nicht mathematisch berechnen und es gibt auch keine strenge Punkteliste , an der wir uns orientieren könnten. So lastet auf den Schultern von Tierhaltern mit einem Tier, das in die Jahre gekommen ist, eine hohe Verantwortung. Eine Verantwortung, die im ersten Moment belastend ist, mit der wir aber lernen umzugehen. Häufig deutlich belastender als diese Verantwortung sind jedoch die vielen kleinen Seitenhiebe von Außenstehenden. In besorgtem Ton geäußert und mit gerunzelter Stirn erinnern sie uns immer wieder daran, dass es „manchmal Zeit ist, loszulassen.“ Dass sich ein Tier „doch nur quält“, dass „dies doch kein Leben mehr ist“ und ähnliches. Diese Sätze kommen besonders von den Menschen besonders schnell, die nie mit Tieren aufgewachsen sind, keine eigenen Haustiere haben und das tierische Familienmitglied, um das es geht, maximal zweimal im Jahr sehen.

Ich habe sie erlebt, die ganzen Ermunterungen, die fast mahnenden Worte. Ich habe erlebt, wie es sich anfühlt, sich immer wieder und wieder dafür rechtfertigen zu müssen, dass man das Tier nicht einfach ins Auto verfrachtet, zum nächstbesten Tierarzt fährt und es einfach „erlöst“. Und mehr als einmal wollte ich nur noch sarkastisch erwidern: „Entschuldigung, mein Tier ist alt!“

Einschläfern ist eine letzte Lösung, kein Patentrezept

Inspiriert zu diesem Artikel wurde ich durch die WUFF, Ausgabe 11/2015 („Wenn Hunde in die Jahre kommen“), in der sich die Autorin Sylke Schulte dem Thema Alter beim Hund widmet und von ähnlichen Erfahrungen berichtet, wie ich sie gemacht habe. Bei mir war es mein Kaninchen, das einen Teil meiner Familie immer wieder dazu verleitete, mir nur mäßig gut verpackt und mit besagter, besorgt gerunzelter Stirn eine Einschläferung nahelegte.

Kimmi, eine Widderkaninchen-Dame die leider nie gelesen hatte, dass Kaninchen Artgenossen lieben, war etwa vier, als sie aufhörte, ihren Blinddarmkot aufzunehmen und daher ständig einen verschmierten, dreckigen Po hatte. Eine Situation, die für niemanden angenehm war – weder für die Menschen, die sie pflegten, noch für das Tier, das doch ein so großes Sauberkeitsbedürfnis hatte. Die ständigen Besuche bei unserer damaligen Stammtierärztin brachten wenig, da diese nur die Symptome behandelte, nie aber nach der Ursache suchte – aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel. Nachdem uns die Tierärztin eine Einschläferung nahelegte, packten wir unsere Kimmi ein und fuhren an die Ostsee. Zum Landtierarzt, dem wir vertrauten und der schließlich feststellte: Kimmi hatte eine beginnende Arthrose im Rücken. Aufgrund dieser konnte sie sich nicht mehr ausreichend rund machen und hatte somit Schwierigkeiten, ihren Blinddarmkot aufzunehmen.

Ein paar Schmerzspritzen später, war meine mit vier Jahren noch einigermaßen junge Kimmi wie ausgewechselt, spielte und tollte herum und hatte seltener Schwierigkeiten mit dem Rücken. Aber natürlich lässt sich keine Arthrose wegbehandeln. Der entzündliche Prozess, der bei Kimmi in der Wirbelsäule stattfand, war schleichend und kehrte Schubweise zurück. Und schließlich, Kimmi war inzwischen acht, hinterließ sie auch bleibende Spuren. Die Hinterläufe meines Kaninchens waren nun teilweise gelähmt. Wir merkten aber zeitgleich, dass sie weniger Schmerztage hatte und so mit Freude durch die Wohnung düste – auch mit Hinterbeinen, die nicht mehr erfolgreich ihren Dienst taten.

Lebensqualität ist nicht mit den Augen messbar

Manche Menschen, gefühlt vor allem die, die kein besonderes Verhältnis zu Tieren haben, neigen dazu, alles was „abnormal“ ist, als Indikator für fehlende Lebensqualität zu sehen. Kaum begann Kimmi also, ihre Hinterläufe hinter sich herzuziehen, waren sie da: die gerunzelten Stirnen und guten Ratschläge. Dass das gleiche Kaninchen noch immer mit Begeisterung beim Clickern mitmachte, mit ihrem Snackball spielte und fraß wie ein Scheunendrescher, wurde einfach übersehen. Ein Phänomen, das offensichtlich nicht nur Teile meiner Familie befällt, sondern sehr menschlich ist. Wir neigen dazu, unsere eigenen Maßstäbe anzusetzen, wenn es darum geht, die Lebensqualität anderer zu bewerten. Das beschränkt sich nicht nur auf Tiere. Wer von uns hat nicht schon einmal auf die eigenen Eltern oder Großeltern geschaut und wollte „so ein Leben“ nicht führen?

Was wir dabei übersehen ist, dass Lebensqualität ein individuell empfundenes Gut ist, das nicht alleine durch bloßes Ansehen eines Tieres – oder Menschens – definierbar ist. Es gibt sie, die Hunde, die nicht damit klar kommen, wenn sie auf einen Rollwagen angewiesen sind. Sie sind aber kein Beweis dafür, dass der Kollege, der mit einem ähnlichen Wagen munter über die Wiese tollt oder die Katze, die aufgrund einer Querschnittslähmung eine Windel tragen muss, keine Lebensqualität hat.

Alter ist keine Krankheit

Es ist typisch für unsere Zeit, dass wir jedes Auftreten von Alterserscheinungen pathologisieren, also als  schädlich und krankhaft einstufen. Da wird beim Menschen mit zweifelhaften Cremes gegen Falten gearbeitet, Jugendlichkeit zelebriert und alternde Promis nur aufgrund ihrer Reife für skandalös anmutende Überschriften herangezogen. Wir ertragen es einfach nicht mehr, jemanden altern zu sehen – und deswegen versetzt uns auch das erste altersgraue Haar unserer Katze in Panik und kaum ist die erste Linse trüb, denken wir an einschläfern. Doch Altern ist und bleibt ein natürlicher Prozess für den alle Lebewesen vorbestimmt sind. Altern ist keine Krankheit und muss absolut nicht Hand in Hand gehen mit dem Verlust von Lebensqualität.

Natürlich gibt es altersbedingte Krankheiten, wie eben beispielsweise Arthrose, die aus dem Älterwerden nicht immer einen Spaziergang machen. Doch nur weil Hund, Katze oder Kaninchen am Morgen vielleicht länger brauchen, um auf die Beine zu kommen, ist damit noch nicht das ganze Leben eine Qual.

Ich würde mir wünschen, dass nicht nur wir als Tierhalter, sondern auch Außenstehende ohne Tier in Zukunft weniger  vorurteilsbehaftet auf den tierischen Altersprozess reagieren. Das Leben ist im Fluss und besteht aus Veränderungen. Wenn unsere Tiere das akzeptieren können und sich auf veränderte Situationen einstellen, warum dann nicht auch wir?

Übrigens: Kimmi ist trotz Arthrose neuneinhalb Jahre geworden. Sechs Monate vor ihrem Tod zog Ragdoll Sookie ein, acht Wochen später Jaro. Und mein Kaninchen spielte begeistert mit den beiden Katzen jagen (die Katzen liefen vor ihr weg). Das ging auch mit gelähmten Beinen super. Schließlich starb sie friedlich und ganz von selbst an Altersschwäche im Beisein von mir und ihren „Geschwistern“.

HCM bei Katzen: Erkennen, behandeln, verhindern

Gastbeitrag

Der folgende Artikel ist ein Gastbeitrag von Martina Klinckmann. Martina lebt mit ihrem Mann und ihren Katzen im niedersächsischen Tespe. Hier züchtet sie seit vielen Jahren Britisch Kurzhaar Katzen. Martinas große Leidenschaft und ihr Steckenpferd: Veterinärmedizin. Dabei interessiert sie sich besonders für das Thema HCM und hat auf diesem Gebiet – leider – auch persönliche Erfahrungen gemacht.

 

HCM ist eine der schlimmsten und verbreitetsten Herzkrankheiten bei Katzen. Dieser Artikel soll über das Thema informieren und eine kleine Hilfestellung geben. Er ersetzt jedoch in keinem Fall einen Besuch beim Tierarzt und die Behandlung erkrankter Tiere durch einen Experten.

Unsere Katzen sind Weltmeister darin, Schmerzen stumm zu ertragen, Krankheit und Schwäche so lange wie möglich zu verstecken. Das macht es umso wichtiger, dass wir Menschen eine gute Beobachtungsgabe haben und gerade bei einem an HCM – Erkrankten Tier genau über den Verlauf und die Symptome dieser Krankheit Bescheid wissen. Was bedeutet die Diagnose HCM? Wie kann ich eine HCM erkennen und warum der HCM-Schall so wichtig und sinnvoll?

HCM – Hypertrophe Kardiomyopathie

Die HCM (englisch: Hypertrophic CardioMyopathy) ist die bei Katzen am häufigsten auftretende Unter den Rassekatzen sind bislang die American Shorthair, Britisch Kurzhaar, Maine Coon, Perser, Ragdoll, Norweger, Siam, Heilige Birma, Rexe und viele andere Rassen von der HCM betroffen. Aber auch viele Hauskatzen erkranken an der HCM. Manche Linien häufiger, andere weniger häufig.

Unter einer HCM versteht man eine Erkrankung, bei der sich der Herzmuskel verdickt. Diese Verdickung kann den gesamten Herzmuskel, oder aber Teile davon betreffen. Von einer Obstruktion spricht man, wenn sich die Verdickung unterhalb der Hauptschlagadermündung entwickelt hat. Diese kann man als Herzgeräusch erkennen. Die Herzmuskulatur wächst in diesem Fall in den Kammerinnenraum des Herzens. Auf diese Weise wird das Volumen der Herzkammer erheblich verkleinert, die Herzkammer kann sich nicht mehr ausreichend mit Blut füllen. So kommt es zu einem Rückstau in der linken Vorkammer des Herzens und im Lungenkreislauf. In der Folge bilden sich Lungenödeme (Wasser in der Lunge) oder aber Pleuralergüsse (Wasser in der Brusthöhle).

Man unterscheidet zwischen der primären und der hypertrophen Kardiomyopathie. Primär sagt aus, dass die Ursache der Erkrankung direkt im Herzmuskel liegt. Dies ist ein genetischer Defekt, der autosomal dominant vererbt wird. Hierunter versteht man einen Erbgang, bei dem das betroffene Gen auf einem Autosom (ein Chromosom, das kein Geschlechtschromosom ist) liegt.

Kater sind in der Regel früher und auch häufiger von HCM betroffen als Katzen. Die meisten Tiere erkranken im Alter von neun Monaten bis zu fünf Jahren.

Bei der sekundären HCM handelt es sich um eine Herzerkrankung, die aufgrund anderer Erkrankungen entwickelt wird. Es können u.a. erhöhter Blutdruck, Nierenerkrankungen oder aber auch eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) sein, die in der Folge ursächlich für eine HCM werden.

Symptome von HCM

Für den Besitzer ist eine HCM im Anfangsstadium nicht erkennbar. Katzen zeigen – anders als beispielsweise Hunde – keine typischen Anzeichen einer Herzerkrankung, wie Husten oder auch Mattigkeit. Allerdings kommt es, wenn die Krankheit weiter fortgeschritten ist, häufig zu Atemnot oder Hecheln. Außerdem sind Appetitlosigkeit und ein großes Schlaf- und Ruhebedürfnis bei einer fortgeschrittenen HCM üblich. Die Tiere haben keine Spielfreude mehr und sind deutlich weniger belastbar. Im weiteren Verlauf kann man beim Tier bläuliche Schleimhäute,  einen beschleunigten Herzschlag, den man ertasten kann, und Wasseransammlung beobachten. Außerdem kann zu Thrombosenbildung kommen. Husten kommt eher selten vor. Wichtig: Es muss bei einem erkrankten Tier NICHT unbedingt zu einem Herzgeräusch kommen. Das reine abhören eines Tieres mit einem Stethoskop ist also keine geeignete Untersuchungsmethode, um HCM zu diagnostizieren.

Die Lebenserwartung einer erkrankten Katze ist abhängig von dem Schweregrad der Erkrankung und vom Auftreten von Komplikationen bei der Medikamentengabe. Katzen reagieren sehr unterschiedlich auf HCM-Medikamente. Katzen, bei denen die HCM früh erkannt und behandelt wurde, können noch viele Jahre leben – dafür gibt es aber leider keine Garantie.

Nur ein Problem von Maine Coons?

HCM kennt keinen Halt vor Rassen. Egal ob es sich um Hauskatzen oder Rassekatzen handelt, jede Katze kann von HCM betroffen sein. Obwohl der Schall keine Garantie dafür ist, dass eine Katze keines der Gene trägt, die für die HCM verantwortlich ist, so ist es im Moment immer noch die einzige Möglichkeit, unsere Lieblinge zu schützen – und er ist zuverlässiger als die meisten Gentests. Diese erfassen nur einen Bruchteil der Gene, die in Verdacht stehen, eine HCM zu vererben. Zudem kann das Ergebnis dieser Gentests derzeit von Labor zu Labor und sogar von Untersuchung zu Untersuchung stark variieren. Die Zuverlässigkeit dieser Gentests ist damit noch lange nicht ausgereift.

Für Züchter bedeutet das, dass er nur mit geschallten Tieren (möglichst vom zertifizierten Kardiologen) züchtet. Der letzte Schall vor der Deckung sollte dabei bei Katzen nicht älter als zwei Jahre, und  bei Katern nicht älter als ein Jahr sein. Ein Kater deckt wesentlich öfter und sorgt für mehr Nachkommen, als eine Katze. Das macht es logisch, gerade Kater, die ihre Gene vermehrt weitergeben, engmaschiger zu kontrollieren. Der Herzultraschall und damit die Untersuchung auf HCM kann außerdem immer nur eine Momentaufnahme sein. Ein einmaliger Schall eines Zuchttieres ist damit so gut wie wertlos. Und ich möchte hier noch einmal ganz deutlich machen. Nur durch gewissenhaftes Selektieren von Tieren, die eines oder mehrere Gene in sich tragen, die die HCM auslösen können, haben wir eine Chance, dieser bösen Krankheit etwas entgegen setzen zu können. Wird bei einem Zuchttier eine HCM erkannt, muss dieses augenblicklich kastriert werden und darf nicht weiter Einsatz in der Zucht finden.

Tierarzt ist nicht gleich Tierarzt – warum zertifizierte Kardiologen bevorzugt werden sollten

Warum sollte ein zertifizierter Kardiologe den HCM-Schall durchführen? Leider ist es immer noch so, dass sich jeder Tierarzt Kardiologe nennen darf, der ein kardiologisches Seminar besucht hat. Die zertifizierten Kardiologen müssen jedoch eine bestimmte Anzahl von Herz-Ultraschalls absolvieren und eine Prüfung ablegen, um ihr Zertifikat zu erlangen. Das bedeutet zum einen, sie haben schon Erfahrung und ein geschulteres Auge, um Auffälligkeiten am Herzen zu erkennen. Zum anderen werden diese Kardiologen aktiv Im Herzultraschall geschult.

Der HCM-Schall ist nur eine Momentaufnahme

Warum überhaupt schallen, wenn es doch sein kann, dass die untersuchte Katze in einem halben Jahr an HCM erkranken könnte? Ganz einfach: Wird heute bei der Katze eine HCM festgestellt, so kann sie auf Medikamente eingestellt werden. Es gibt Katzen, bei denen mit 10 Monaten diese tückische Krankheit diagnostiziert wurde und die dank der richtigen Medikamente noch viele, viele Jahre gut leben konnten. Das macht eine HCM-Untersuchung auch bei einem kastrierten Tier sinnvoll. Besonders dann, wenn das Tier einer Rasse angehört, bei der vermehrt HCM auftrifft (Maine Coon, Britisch Kurzhaar, Ragdoll, Perser, Hauskatze) oder in dessen Linie Fälle von HCM bekannt sind.

Züchter sind in der Verantwortung

Wir, als Züchter, sind der HCM nicht hilflos ausgeliefert. Die Kater, die sich in der Zucht befinden, oder aber in die Zucht gehen sollen, müssen konsequent ab dem ersten Lebensjahr einmal jährlich per Herzultraschall untersucht werden, um der Krankheit in den Linien unserer Katzen Einhalt zu gebieten. Auch bei Katzen ist es nötig, ab dem ersten Lebensjahr mit der Herzultraschall-Untersuchung zu beginnen und dann kurz vor jeder Deckung zu wiederholen, damit man sicher sein kann, dass die Katze zum Zeitpunkt der Deckung negativ geschallt ist – das heißt, keine Anzeichen von HCM auf dem Ultraschall zeigt.

Nur mit der Herzultraschall-Untersuchung kann die Dicke der Herzwand, die Muskelkontraktilität (Beweglichkeit des Muskels) sowie die Auswurfleistung des Herzens ermittelt werden. Mit der Dopplermethode, eine besondere Art des Ultraschalls, ist zusätzlich noch die Fließrichtung und die Fließgeschwindigkeit des Blutes zu erkennen. Darüber hinaus kann mit der Herzultraschall-Untersuchung überprüft werden, ob es in den Vorhöfen zur Thrombenbildung gekommen ist. Thromben sind Pfropfen aus Blut, welche die Gefäße verschließen und damit tödlich sein können.

Weiterführende Untersuchungen beim Verdacht auf HCM

Für eine weiterführende Diagnose stehen noch weitere Methoden zur Verfügung:

Mit einem EKG kann nicht nur die Herzschlagfrequenz gemessen werden (sie sollte keinesfalls über 200 Herzschlägen pro Minute liegen). Auch Herz-Rhythmusstörungen, welche bei der HCM auch vorkommen können, werden erkannt.

Eine Röntgenaufnahme kann schließlich aufzeigen, ob das Herz zu groß ist. Dies lässt sich allerdings erst im fortgeschrittenen Krankheitsverlauf auf dem Röntgenbild erkennen. Allerdings kann man durch die Röntgenaufnahme auch noch erkennen, ob es im Umfeld der Lunge zu Ödemen (Schwellungen) gekommen ist.

Bei der HCM können im linken Vorhof Blutgerinnsel entstehen, die dann teilweise abgeschwemmt werden können. Dadurch kommt es häufig in den Oberschenkelarterien zur Thrombenbildung. So muss bei Katzen, die plötzlich aufschreien und eins oder beide Hinterbeine nicht mehr bewegen können, davon ausgegangen werden, dass sie eine Oberschenkelvenenthrombose haben. Sobald diese Symptome auftreten (eine Thrombose kann sehr schmerzhaft sein), muss der Tierarzt die Katze unbedingt behandeln, um die Thromben aufzulösen.

Die erkrankten Tiere werden, falls nötig, mit Entwässerungsmedikamenten sowie ACE-Hemmern (zur Blutdrucksenkung) behandelt. In der Regel werden Beta-Blocker (zur Senkung der Herzfrequenz) verabreicht. Auch kann unterstützend bei Thrombenbildung oder Verdacht darauf, ein Medikament verabreicht werden.  Leidet das Tier außerdem unter Herzrhythmusstörungen, werden auch noch Kalzium-Kanal-Blocker eingesetzt. Diese Medikamente sind allerdings als vorbeugende Maßnahme eher ungeeignet.

Abschließend bleibt zu sagen: Es gibt bei der HCM keine Standardtherapie. Sie muss auf das jeweilige Tier zugeschnitten werden.

Neues zum neuen Jahr

Liebe Leser,

jetzt ist das Jahr schon fast eine Woche alt. Ich hoffe, ihr und eure Haustiere haben den Silvester-Terror einigermaßen stressfrei überstanden.

Auf Wissgetierig – kurz Wigeti – ist es in den vergangenen Wochen ruhiger geworden. Ruhiger als beabsichtigt. Das hat zum einen mit meinem Haupt-Job zu tun, der mich unlängst mehr beansprucht hat als sonst. Darüber bin ich offen gestanden sehr froh, denn (noch?) lässt sich mit Wigeti leider kein Katzenfutter verdienen und meine drei Plüschpopos sind gerade in der Winterzeit besonders hungrig.

Dennoch: das Ziel, euch mit meinen Artikeln zu Unterhalten und vielleicht auch das eine oder andere Mal zum Staunen zu bringen ist geblieben. Und natürlich soll es auf Wissgetierig auch in Zukunft gut recherchierte und verlässliche Infos geben.

Und was gibt es nun Neues?

Ich habe die vergangenen Wochen dazu genutzt, das Konzept von Wissgetierig zu hinterfragen – und dabei festgestellt, dass ich mit meiner Grundidee noch immer zufrieden bin. Allerdings bin ich nicht nur Autor und Redakteur, sondern eben auch Leser. Und beim Lesen anderer Blogs fiel mir schnell auf, dass ich von reinen Wissensseiten schneller wieder verschwand, als von solchen mit einer persönlichen Note.

Hinzu kommt, dass aus rein logischen Gründen, bei einem noch von einer Person geführten Blog keine vollständig neutralen Artikel zustande kommen können. Das zeigt sich nicht zuletzt ja auch in der Themenauswahl. Zwar sind auch Beiträge von Gastautoren für Wissgetierig geplant – und hierzu freue ich mich jederzeit über Vorschläge oder „Bewerbungen“, aber bis zur Redaktion mit 10+ Angestellten ist es eben noch ein weiter weg. 😉

Und gerade weil  ein ein-Frau geführter Block nie 100% neutral sein kann und immer bis zu einem gewissen Grat auch eine Meinung wiederspiegelt, möchte ich in Zukunft auf Wissgetierig öfter einmal aus meinem Mauseloch kommen.

In der Kategorie „Zugeschnappt“, die ich bald einweihen werde, findet ihr künftig Kommentare zu mir zu tierischen Themen. Ihr sollt wissen, mit wem ihr es zu tun habt. Denn wer vertraut schon einem Autor, von dem er nichts weiß?

All diese Überlegungen bedeuten jedoch nicht, dass es auf Wissgetierig in Zukunft nur noch um meine Meinung geht. Der Anspruch, hier wissenschaftlich fundierte Artikel zu veröffentlichen bleibt weiterhin bestehen. Das persönliche „Gekläff“ bleibt das Salz in der Suppe und wird nicht die Hauptzutat sein. Und wie immer gilt: Mitdiskutieren ist erwünscht.

 

In diesem Sinne: Auf ein tolles, neues Jahr auf Wissgetierig und tierisch interessante Artikel.

Spanische Hofreitschule - Lipizzaner mit Zaumzeug und Sattel.

„Die Spanische Hofreitschule“ DVD Rezension

Sie wird auch „das weiße Ballet“ genannt, die spanische Hofreitschule, eines der Wahrzeichen Österreichs und berühmt für seine edlen Lipizzaner. Wer die schwierigen Schritte und Figuren sieht, die von den hoch ausgebildeten Pferden ausgeführt werden, der kann schnell vermuten, dass hier vieles nur mit Drill zugeht. Die DVD „Die Spanische Hofreitschule – das weiße Ballet“ aus dem Hause KOMPLETT-MEDIA gibt hier aber einen ganz anderen Einblick.

Behutsam ist die Ausbildung der teuren Tiere und individuell auf jedes Pferd abgestimmt. Doch bis es tatsächlich in die hohe Schule geht, steht den jungen Fohlen und Jährlingen ein beinahe unbeschwertes Leben bevor. Drei Jahre lang verbringen sie auf saftigen Weiden, drei Sommer auf der unebenen Alm, um die Trittfestigkeit zu sichern und Muskulatur aufzubauen. Nein, Ausdauer und Kondition, wie sie ein barockes Dressurpferd wie der Lipizzaner allemal braucht, erlernen sich nicht ausschließlich auf ebenem Hallenboden an der Longe. Und wer sich von den wunderschönen Bildern der DVD einfangen lässt, der vergleicht unweigerlich das Leben der jungen Lipizzaner mit dem eines typischen Schul- und Freizeitpferdes. Hier schneidet die Lebensqualität des Lipizzaners eindeutig besser ab.

Die Ausbildung der Tiere

Die Ausbildung der Pferde geschieht langsam. Der Lipizzaner ist ein Spätentwickler und von der Spanischen Hofreitschule wird ihm die Zeit gegeben, die er braucht. Bei gerade einmal 700 aktiv in der Zucht und in der Schule befindenden Lipizzanern muss das auch so sein, denn geeignete Pferde sind ein teures und vergleichsweise seltenes Gut.

Die Bilder, welche die DVD vermittelt, sind tatsächlich sehr harmonisch und wirken, als wenn sowohl Pferd als auch Reiter an den anspruchsvollen Aufgaben Freude haben. Und tatsächlich ist zu bezweifeln, dass ein Pferd, welches sich mit dem an ihn gestellten Aufgaben absolut nicht wohl fühlt, ganze 26 Jahre (!) in einer Show mitmachen würde. Einigen Kritikern wird alleine mit dieser Zahl schnell der Wind aus den Segeln genommen – und auch ich blicke nach der DVD deutlich weniger kritisch auf die Spanische Hofreitschule. Das eine oder andere Fragezeichen bleibt jedoch bestehen. Die Frage, wie viel Freilauf und  Weide die Pferde nach ihrer Ausbildung haben, bleibt offen.

Die Spanische Hofreitschule: Diese Infos bietet die DVD

In der DVD zur Spanischen Hofreitschule erfährt der Zuschauer sehr viel über diese traditionsreiche Reitkunst, die zum immateriellen Weltkulturerbe ernannt wurde. Geschichte, Entwicklung, Ausbildung von Pferd und Reiter, aber auch Einblicke ins Marketingkonzept des Tourismusmagneten werden gegeben. Damit präsentiert sich die Hofreitschule offen und modern, ja, sympathisch. Die geschichtlichen Zusammenhänge sind recht komplex, man muss an vielen Sequenzen genau zuhören und sehr aufmerksam schauen, um nichts zu verpassen. An anderen wieder, wirkt die DVD ein wenig wie ein Werbefilm, hinter der die doch sehr abwechslungsreich und informativ gestaltete Dokumentation zurücktritt.

Alles in allem ist „Die spanische Hofreitschule – Das weiße Ballet“ eine informative und interessante DVD, die für Lipizzanerfreunde und Dressurreiter sicherlich ein Muss ist und die man alleine aufgrund der Fülle an Fakten, die während der Dokumentation vermittelt werden, gerne mehrmals schaut. Lediglich ein paar Extras fehlen auf der DVD. Ich hätte mir zum Beispiel Steckbriefe einiger besonders herausragender Pferde und Reiter gewünscht, um der Dokumentation noch ein bisschen mehr stolz und den persönlichen Touch zu verleihen.

 

Hinweis: Diese Rezension spiegelt meine freie und ehrliche Meinung wieder. Ich danke dem KOMPLETT-MEDIA Verlag für die freundliche Zusendung eines kostenfreien Rezensionsexemplars und die Möglichkeit, diese DVD auf Wissgetierig.de vorzustellen.

Die DVD „Die Spanische Hofreitschule – Das weiße Ballet ist hier erhältlich und kostet €19,99. Der Versand ist frei.

Foto: Wikipedia

Katze frisst nicht – was tun? 8 Tipps

Die Katze frisst nicht, der Mensch ist unglücklich. Ein regelmäßiges Bild in Katzenhaushalten – vor allem dann, wenn die Futterverweigerung mehr als einen Tag anhält. Da wird das vermeidliche Lieblingsessen hervorgekramt, Leckerlies fliegen wie gebratene Gänse in den Mund und auch der ein oder andere Klecks Sahne landet in der Katze. Kurz: verweigert die Katze das Futter, stellen wir uns auf den Kopf und kommen um vor Sorge. Zu groß ist die Angst, die Katze frisst nicht, weil sie krank ist. Natürlich ist das eine Möglichkeit, die wir in Betracht ziehen müssen. Aufschluss hierrüber gibt nur ein Besuch beim Tierarzt und dieser sollte, wenn die Katze auch anderweitig auffällige Symptome wie Abgeschlagenheit, Benommenheit oder mehrfaches Erbrechen zeigt, auch besser jetzt als gleich geschehen. Auch Schmerzanzeichen müssen beachtet und ernst genommen werden.

Ist die Futterverweigerung jedoch das einzige was die Katze zeigt und ist sie ansonsten fit und munter, darf man als Katzenhalter ruhig einmal tief durchatmen und zwei bis drei Tage herumexperimentieren. Denn dann ist die Katze schlichtweg mäkelig. Die folgenden Tipps haben sich im Alltag – auch in meinem eigenen – bewährt.

Die ultimativen Anti-Mäkeltipps

Vorab eine kleine Aufmunterung, denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Auch ich habe schon überteuertes Nassfutter in die Toilette gekippt, weil meine Katzen es plötzlich einfach nicht mehr mochten. Und das, obwohl ich vorher absolut sicher war, dass meine Katzen nicht mäkeln würden, denn ich würde schließlich alle Tipps und Tricks beachten, die es zu diesem Thema gibt. „Katze frisst nicht“ würde es bei mir nicht geben.

Die Wahrheit ist: auch bei mir und meinen Katzen gibt es Mäkeltage. Und die wird es auch immer wieder geben. Ich gehe mittlerweile entspannt damit um und ärgere mich nicht mehr. Zum Glück konnte ich mit den folgenden Tricks aber die Tage, an denen meine Katzen ihr Futter komplett verweigern, auf ein Minimum reduzieren.

1.      Neophobie oder „Das kenne ich nicht, das ist Gift!“

Die Evolution ist eine feine Sache – manchmal. Bei unseren Haustieren kann sie uns aber leider auch ganz schöne Probleme machen. Und so lautet die schulterzuckende Antwort auf den nervös ausgerufenen Satz: „Die Katze frisst nicht!“ eben manchmal auch: Neophobie.

Neophobie bedeutet, die Angst vor Neuem. In unserem Beispiel also neuem Futter. Als Katzen noch frei und auf sich gestellt lebten, machte die Neophobie auch durchaus noch Sinn, denn sie verhinderte im wahrsten Sinne des Wortes, dass Neugier der Tod der Katze wurde und sie an giftige Nahrungsmittel geriet. Wenn wir jedoch das neue Nassfutter oder die erste Portion BARF in den Napf füllen, treibt uns die Neophobie eher in den Wahnsinn – und die Katze frisst dann noch immer nicht.

"Das soll ich essen?", scheint diese Katze zu fragen. |Foto: ©alsen - pixabay.com

„Das soll ich essen?“, scheint diese Katze zu fragen. |Foto: ©alsen – pixabay.com

2.      Der Futterwechselmechanismus oder „Das war mal mein Lieblingsessen!“

„Endlich!“, jubeln wir leise. „Endlich ein Futter, das wirklich immer in die Katze reingeht!“ Und nach ein paar Wochen oder Monaten kommt dann die Ernüchterung. Die Katze frisst nicht mehr und das absolute Lieblingsfutter wird verschmäht. Was hier eintritt, ist der Futterwechselmechanismus. Auf den ersten Blick scheint dieser im Widerspruch zur eben erwähnten Neophobie zu stehen, denn er besagt, dass ein Tier bestrebt ist, sein Futter regelmäßig zu wechseln, um sich nicht nur an eines zu gewöhnen und schließlich von diesem elementar abhängig zu sein. Der Futterwechselmechanismus wurde zunächst bei Wildvögeln beobachtet, konnte schließlich aber auch bei Katzen nachgewiesen werden. Dank ihm überleben unsere Mäusespezialisten in freier Natur auch dann, wenn die Nagetiere knapp werden. Bei unseren domestizierten Tieren hilft es in solchen Momenten, eine lange verschmähte Futtersorte hervorzukramen und diese anzubieten. Meistens führt genau das zum Erfolg.

3.      Den Magen öffnen oder „Ich kriege dich schon hungrig!“

Wir kennen das auch von uns. Wenn wir längere Zeit hungrig sind, dabei aber nicht zum Essen kommen, dann verschwindet das Hungergefühl irgendwann und wir stehen auch den Rest des Tages ohne Nahrung durch. Ähnlich geht es unseren Katzen, die dann einfach über den Hunger hinaus sind. Ein Phänomen, dass Mäkeln und Futterverweigerung natürlich noch unterstützt. Die Katze frisst nicht. Hier hat sich bei meinen Katzen ein ganz einfacher Trick bewährt. Ich greife zu ein paar Stücken Trockenfleisch – die absoluten Lieblingsleckereien meiner Tiere – und rege damit die Verdauung wieder an. Der Magen erwacht damit aus seinem Dornröschenschlaf und die Katze beginnt wieder zu fressen – wenn alles gut läuft, auch das verschmähte Nassfutter.

"Ging da eben die Leckerliedose auf?" |Foto: ©amayaiguizabal - pixabay.com

„Ging da eben die Leckerliedose auf?“ |Foto: ©amayaiguizabal – pixabay.com

4.      Konsequenz oder „Du kannst mich mal, Katze!“

Ja, Katzenaugen können traurig gucken. Oder hasserfüllt. Oder anklagend. Und nein, eine schlecht gelaunte Katze ist kein angenehmer Hausgenosse. Aber das sind Tyrannen auch nicht. Katze frisst nicht? Dann ist das so. Zumindest, wenn es sich um reine Mäkellei handelt.

5.      Futterneid oder „Wenn zwei mäkeln, freut sich die dritte.“

Haben Sie schon einmal große Katzenkolonien gesehen, die zusammen an einer Futterstelle sitzen? Bestimmt ist Ihnen dabei keine Katze aufgefallen, die sich naserümpfend vom Futter wegdreht. Der Grund heißt Futterneid. Wenn andere fressen, so wird auch die größte Mäkelkatze dazu animiert, ebenfalls vom Futter zu kosten und dieses dann auch in den meisten Fällen genüsslich verspeisen. Der Vergleich hinkt, meinen Sie, weil freilebende Katzen in Kolonien Hunger leiden? Das mag in vielen südlichen Ländern sicher stimmen. In Deutschland sind Futterstellen allerdings gut betreut und es ist in der Regel ausreichend Futter vorhanden.

In der Wohnung setzt der Futterneid übrigens erfahrungsgemäß bei der dritten Katze ein. Auch das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen. Wenn Sie also bereits zwei Katzen haben und ohnehin über eine dritte nachdenken – hier haben Sie ein weiteres Argument. Der Satz: „Die Katze frisst nicht!“ wird dann nämlich deutlich seltener fallen.

Als Birmakater Nuka bei uns einzog, hatte die Mäkelei schnell ein Ende. | Foto: ©Linda Ewaldt

Als Birmakater Nuka bei uns einzog, hatte die Mäkelei schnell ein Ende. | Foto: ©Linda Ewaldt

6.      Fastenzeiten gelassen nehmen oder „Die Gartenkatzen werden sich freuen“

Eine gesunde Katze verhungert nicht vor einem vollen Napf. Punkt. Wenn die Katze nicht frisst, ist das noch lange kein Weltuntergang, solange medizinisch alles im grünen Bereich ist. Wer Fastenzeiten gelassen nimmt und sich von mäkelnden Katzen nicht verrückt machen lässt, der lebt entspannter und erlebt diese Zeiten seltener. Bei mir landen angebrochene Dosen nicht mehr im Müll, sondern sie wandern in unseren Schrebergarten. Die Gartenkatzen freuen sich immer über diese ganz besondere Leckerei. Vielleicht gibt es auch bei Ihnen eine Nachbarskatze, die gerne Reste vertilgt?

7.      Abenteuer Nahrungssuche oder „Die Uhrzeit ist mir egal!“

Ich sage es immer wieder gerne: die Maus springt der Katze nicht um Punkt achtzehn Uhr ins Maul. Und die Ungewissheit, wann und ob es Futter gibt, hat für den Jäger Katze etwas Reizvolles. Noch mehr aber lieben Katzen auch beim Fressen die Selbstbestimmung. Deswegen gilt bei mäkeligen Katzen: betteln ist erlaubt. Lassen Sie Ihre Katze gezielt nach Essen „fragen“. Vielleicht miaut sie Sie dazu an, schiebt den Napf durch die Gegend oder probiert andere Tricks aus. Im Idealfall wechseln Sie das „Signal“ auf das sie reagieren regelmäßig, um den Reiz dieses kleinen Spiels zu erhalten. Denn erarbeitetes Futter schmeckt einfach besser. Da bleibt keine Zeit zum Mäkeln.

"Hunger!!!" Wer nach dem Essen fragen muss, frisst besser. |Foto: ©Silberfuchs - pixabay.com

„Hunger!!!“ Wer nach dem Essen fragen muss, frisst besser. |Foto: ©Silberfuchs – pixabay.com

8.      Bewährter Futterplan oder „Der Mix macht’s“

Hier noch ein letzter, ultimativer und ganz privater Tipp, wenn die Katze nicht frisst. Arbeiten Sie mit einem Futterplan. Dieser lässt sie den Überblick über gemochtes und verschmähtes Futter behalten und stellt außerdem sicher, dass ein ausreichend guter Mix vorhanden ist. Bei mir haben sich sieben verschiedene Futtersorten und – hersteller pro Woche, über einen Zeitraum von 4 Wochen gut bewährt. Nach einem Monat wird der Futterplan wieder komplett umgestellt. Möchte ich Futter ausprobieren, das meine Katzen bisher noch gar nicht kennen, versuche ich nicht mehr als zweimal in einer Woche ein neues Futter einzuschleichen. Untermischen tue ich dabei nicht – wollen Sie Ihr Tier aber von Supermarktfutter auf hochwertiges umstellen, müssen Sie je nach Empfindlichkeit Ihrer Katze vorsichtiger vorgehen.

 

Haben Sie noch weitere Tipps, wenn eine gesunde Katze das Futter verweigert? Ich freue mich über Feedback in den Kommentaren oder auf Facebook.

NachSITZen von Martin Rütter – Eine Rezension

Gerade einmal eine Dreiviertelstunde bin ich nun zurück von einem Abend in der Barclay-Card Arena mit Martin Rütter und seinem aktuellen Programm NachSITZen. Frisch und frei von der Leber weg folgt hier eine ehrliche Rezension zu NachSITZen.

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Grüne Korridore ebnen Weg für Europäische Wildkatze

Bonn/Berlin 9. November 2015. Laut einer erfreulichen Pressemitteilung des BUND breitet sich die Europäische Wildkatze in Teilen West- und Süddeutschlands wieder aus. Dies ist ein Ergebnis einer schon seit 2009 andauernden Bemühung des Naturschutzvereins, die vom Aussterben bedrohten Tiere wieder vermehrt in Deutschland anzusiedeln und damit ihr Fortbestehen zu sichern.

Vor allem die reduzierten Waldgebiete und die verteilten und für die Europäische Wildkatze schwer bis gar nicht zu erreichenden Waldstücke, die durch Autobahnen oder Siedlungen voneinander getrennt sind, machen es den seltenen Wildtieren schwer – und eine Paarung für die sonst solitär lebenden Europäischen Wildkatzen unmöglich.

Hintergrund
Um den Bestand der Europäischen Wildkatze zu ermitteln, wurden in einer weltweit einmaligen Aktion von 2011 bis heute 2.400 Haarproben der Tiere gesammelt und genetisch analysiert. Diese Überprüfung ergab Fragmentierung, also genetische Trennungen, zwischen den Tieren. Ein Anzeichen, dass der Genpool der Europäischen Hauskatze noch erfreulich groß ist. Doch noch etwas fanden die Populationswissenschaftler bei der genetischen Analyse heraus. Anscheinend war keine der bekannten Europäischen Wildkatzen in mehr als einem Waldgebiet aktiv.
Ein klarer Hinweis darauf, dass es für die Tiere eine Barriere gab, die es zu überbrücken galt. Das Projekt „Wildkatzensprung“ wurde ins Leben gerufen.

Nur ein „Katzensprung“ bis zur Wildkatzen-Rettung?

Die grünen Korridore zu schaffen, die es den Europäischen Wildkatzen ermöglichen, in der Paarungszeit zueinander zu finden und somit für Nachwuchs zu sorgen, sind ein guter Anfang. Alle Probleme der Europäischen Wildkatze lösen sie jedoch nicht. Zudem sind zum Schutz der seltenen Tiere – die übrigens nur sehr weitläufig verwandt mit unseren Hauskatzen sind – auch finanzielle Mittel und eine geübte Kommunikation gefragt. Schließlich mussten vor Beginn des Projekts Vertreterinnen aus allen betroffenen Bereichen, wie Jagd, Naturschutz und Forstwirtschaft, an einen Tisch gebracht und unterschiedliche Interessen berücksichtigt werden. Umso erfreulicher ist es, dass der BUND nun mit dem vom Bundesamt für Naturschutz geförderten Projekt erste Erfolge feiert. Erfolge, die nicht nur der Europäischen Wildkatze helfen.

Foto: © Thomas Stephan / BUND

Foto: © Thomas Stephan / BUND

Europäische Wildkatze ebnet auch Wege für andere Tiere

Die Europäische Wildkatze gilt für den Naturschutz als Zielart. Als solche werden Tiere bezeichnet, die durch ihre Verbreitung auch die Ansiedlung anderer Tierarten begünstigen. Vereinfacht ausgedrückt: durch die grünen Korridore wird es auch anderen Tieren ermöglicht, voneinander getrennte und mit Barrieren versehene Waldgebiete zu besiedeln.

So trägt der Schutz der Europäischen Wildkatze auch bei zur Verbreitung von:

  • Baummarder
  • Luchs
  • Haselmaus
  • Feuersalamander
  • Rothhirsch
  • Mittelspecht
  • Schwarzspecht
  • Waldkäfer
Foto: © Thomas Stephan / BUND

Foto: © Thomas Stephan / BUND

All das macht den Wildkatzensprung zu einem sinnigen und wichtigen Naturschutzprojekt, dessen Förderung noch bis 2017 läuft. Der BUND hofft, dass bis dahin auch Gebiete mit Europäischen Wildkatzen besiedelt sind, wo bisher noch nicht viele Tiere verzeichnet werden konnten, wie zum Beispiel dem Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und im Osten Deutschlands.

Wer sich für den Wildkatzensprung stark machen möchte, findet nähere Infos hierzu auf der Website des BUND.

 

Titelbild: ©Thomas Stephan / BUND

 

Exotenliebhabern droht Haltungsverbot

Haustierhaltung bedeutet nicht nur, Hund, Katze oder Maus zu seinen tierischen Hausgenossen zu zählen. Auch exotische Tierarten, wie Nasenbären, Streifenhörnchen und Rotwangenschmuckschildkröten, erfreuen sich großer Beliebtheit und bei den meisten Besitzern auch einer artgerechten Haltung. Dennoch rollt laut dem DV-TH, dem Dachverband der Tierhalter e.V., nun ein Haltungsverbot für einige der in der EU gehaltenen Exoten auf uns zu. Der Grund: Viele Arten seien  „potenziell invasiv“, würden also den Bestand der einheimischen Tierwelt bedrohen. Was im ersten Moment wie eine vernünftige Lösung klingen mag, hinkt bei genauerem Nachdenken an mehreren Stellen.

Warum sind Haustiere potenziell invasiv?

Richtig ist: in Ostdeutschland herrscht eine kaum mehr einzudämmende Waschbärplage, die tatsächlich die dort einheimische Tierwelt bedroht. Andere Teile Deutschlands sind hiervon kaum bis gar nicht betroffen. Gleiches gilt für Papageienvögel wie Halsbandsittiche, die zumindest auf eine weitere Verbreitung blicken können. Aber rechtfertigt das ein Haltungsverbot für viele potenziell invasive Arten, wie zum Beispiel der Rotwangenschmuckschildkröte, das im Übrigen nicht nur Privathalter, sondern auch zoologische Einrichtungen betreffen würde? Wird dieses Gesetz in Kraft gesetzt, so werden wir zukünftig weder Nasenbären, noch sibirische Streifenhörnchen oder das chinesische Muntjak im Zoo sehen. Und das, obwohl alle diese Tierarten nur dann invasiv für unsere einheimische Tierwelt sind, wenn sie in Freiheit gelangen und sich hier unkontrolliert vermehren. Etwas, das bei artgerechter und sicherer Haltung der Tiere überhaupt nicht möglich ist.

Wir erinnern uns: an der herrschenden Waschbärplage sind Pelzfarmen schuld deren Tiere – auch aus unüberlegtem Aktionismus – teilweise von selbsternannten Tierschützern befreit und in der deutschen „Wildnis“ ihrem Schicksal überlassen wurden. Ebenso konnten die Papageienvögel unsere Breiten bevölkern, weil sie ausgesetzt oder durch ein unbeachtetes Fenster entwischt sind. Für diese  mangelnde Vorsicht soll nun nicht nur der Halter exotischer Tierarten büßen, sondern auch die Tiere selbst, denn…

Wohin mit den Tieren, wenn das Haltungsverbot in Kraft tritt?

Tiere aus zoologischen Einrichtungen finden – im Idealfall und je nach Tierart – ein neues Zuhause in anderen Ländern und dortigen zoologischen Einrichtungen. Ob in allen dieser Einrichtungen die gleichen, optimalen Haltungsbedingungen herrschen, wie in so manchen europäischen Zoo, sei dahingestellt. Ganz davon abgesehen, dass sich die meisten Einrichtungen nicht um häufig vorkommende und vermehrungsfreudige Tiere, wie zum Beispiel Waschbären, reißen werden. Für die Tiere bedeutet das: Euthanasie aus Platzmangel. Also schlichtweg den Tod.

Das Haltungsverbot ist zu europäisch gedacht

Werfen wir noch einmal einen Blick auf die Liste, die der DV-TH in diesem Zusammenhang veröffentlicht hat, dann fällt schnell eine Diskrepanz auf. Wie kann ein Tier, das zum Beispiel in Deutschland aufgrund der klimatischen Bedingungen keinerlei Überlebenschance in „freier Wildbahn“ hat potenziell invasiv sein? Genau hier ist der Haken, so der DV-TH. Das Gesetz berücksichtigt nicht, dass keinesfalls alle auf der Liste befindlichen Tierarten nicht in der gesamten EU potenziell invasiv sind. Auch hier findet eine Generalisierung auf Kosten der Tiere statt.

Juristische Durchsetzung fraglich

Für Privathalter, die ihren Exoten auf legalem Wege erworben haben und damit auch die entsprechenden Papiere besitzen, ist es äußerst fraglich, ob das anrollende Gesetz tatsächlich durchsetzbar ist. Erinnern wir uns jedoch an die Ereignisse nach des Inkrafttretens des Landes-Hundegesetz und den damit entstehenden Listenhunde, wird klar, dass der Gesetzgeber im Zweifelsfall Mittel und Wege finden wird, um die legal erworbenen Tiere von ihren rechtmäßigen Besitzern zu enteignen. Und diese scheinen weder für den Halter, noch für die Tiere jemals gut zu sein.

Und was ist danach?

Spinnen wir die jetzige Situation einmal weiter, überdramatisieren wir vielleicht sogar. Werden exotische Arten in Zukunft aufgrund ihrer potenziellen Faunaverfälschung verboten, was geschieht dann auf kurz oder lang mit unseren Hunden und Katzen? Es ist kein Geheimnis, dass wildernde Hunde Vogel- und Wildbestand vor allem in der Setzzeit gefährden. Katzen obliegen, wenn auch von vielen Quellen bereits widerlegt, noch immer dem Ruf, für das Sterben von Singvögeln verantwortlich zu sein. Ausgesetzte Kaninchen bedrohen das Aussehen unserer Wildkaninchen und werden so, zumindest auf dem Land, weniger Überlebensfähig, da schneller sichtbar für Beutegreifer. Wo ziehen wir also die Grenze? Oder halten wir es langfristig so, wie die Tierrechtsorganisation PETA, die sich ein Ende jeglicher Haustierhaltung wünscht?

Wissgetierig findet: Haustiere gehören – artgerecht gehalten – zu unserem Leben dazu und ein Gesetz wie dieses bedroht Mensch und Tier sowie auch den Schutz unserer Wildtiere. Denn der Mensch schützt nur das, was er kennt und zu dem er eine Bindung hat. Zoologische Einrichtungen leisten hier auch mit Exoten in vielen Fällen gute Arbeit.

Was sagt ihr zu dem Gesetz zum Verbot der Haltung von potenziell invasiven Tierarten in der EU? Hinterlasst mir gerne einen Kommentar.

 

Titelbild: ©ariesa66 – pixabay.com

Norwegische Waldkatze – Rassebeschreibung der Waldtrolle

Sie hat sich nicht nur optisch ihre Ursprünglichkeit bewahrt, die Norwegische Waldkatze. Ihr dichtes, robustes Fell, die Schneeschuhe und der wache Blick, dem keine Maus entgeht, sprechen von Zeiten, in denen diese Katzen noch unbehelligt durch norwegische Wälder streiften. Tatsächlich ist seitdem züchterisch noch nicht allzu viel passiert. Das Fell ist etwas weicher, die Nase etwas länger geworden. Ansonsten hat sich die Norwegische Waldkatze im wahrsten Sinne des Wortes „gut gehalten“ und ist bis dato zwar nicht ganz von rassespezifischen Krankheiten verschont, erfreut sich aber im Allgemeinen einer sehr guten Gesundheit. Es liegt, wie so oft, in der Verantwortung der Züchter und der kritischen Kittenkäufer, ob dies so bleibt. Denn inzwischen ist die Norwegische Waldkatze zur Moderasse geworden und mit der steigenden Nachfrage vermehren sich erfahrungsgemäß auch die schwarzen Schafe unter den Züchtern.

Warum ist die Norwegische Waldkatze so beliebt?

Katzenausstellungen geben immer einen guten Anhaltspunkt darauf, welche Katzenrasse das Herz von Züchtern und Haltern zurzeit im Sturm erobert. Zumindest im norddeutschen Raum scheint die Norwegische Waldkatze ihren amerikanischen Verwandten, den Maine Coons, allmählich den Rang abzulaufen. Das mag auch daran liegen, dass die beliebten „Coonies“ vermehrt mit Herzproblemen wie HCM oder Gelenksbeschwerden wie Arthrose zu kämpfen haben.

Aber natürlich schaffen es die Norwegischen Waldkatzen nicht nur wegen ihrer vergleichsweise besseren Gesundheit, ihre Liebhaber um die Pfote zu wickeln. Die Katzen, die von vielen auch liebevoll „Waldtrolle“ genannt werden, haben einen ganz besonderen Charme und vor allem den Schalk im Nacken. Mit den aktiven Katzen wird es nicht mehr langweilig und da Norweger sich auch sehr gut mit anderen Katzen vertragen, steht einem im wahrsten Sinne des Wortes bunten Treiben nichts mehr im Wege.

Apropos bunt: Ihre Farbenvielfalt ist sicher ein weiterer Grund, wieso die Norwegische Waldkatze so bliebt ist.

Ihre Farbvielfalt macht die Norwegische Waldkatze sehr beliebt. | Foto: Eric Isselée - fotolia.com

Ihre Farbvielfalt macht die Norwegische Waldkatze sehr beliebt. | Foto: Eric Isselée – fotolia.com

Farbe mit Charakter – Amber

Amber ist nicht nur eine Farbe, die von vielen Norwegerfreunden als ausgesprochen schön empfunden wird, sie ist den Norwegischen Waldkatzen auch ganz eigen. Bei keiner anderen Rasse kommt diese seltene Fellfärbung vor, bei der die Katzen zunächst recht dunkel zur Welt kommen und an die weit verbreiteten black tabbys, Katzen mit dunklem Fellmuster auf grauem oder braunem Fell, erinnern. Im Alter von etwa fünf Wochen zeigen sich zwischen den dunklen Haaren immer mehr Rottöne. Voll ausgefärbt sind Norwegische Waldkatzen in der Farbe Amber erst mit etwas über vier Jahren. Das macht die kleinen Kitten, ähnlich wie Pointkatzen bei Ragdolls, Birmas und Siamesen, zu kleinen aber interessanten Überraschungspaketen.

Verantwortlich für die Farbe Amber ist ein mutiertes Farbgen in den Katzen, welches Einfluss auf die Schwarzfärbung nimmt. Da sich dieses seltene Gen rezessiv vererbt und somit beide Elterntiere Träger dieser Farbmutation sein müssen, brachte nach den ersten Zufällen erst gezielte Züchtung die Farbe Amber in den Norwegischen Waldkatzen hervor.

Auf ihrer Seite stellt eine Züchterin der Norwegischen Waldkatzen mittels Fotomaterial anschaulich die Entwicklung von Amberkatzen dar und gibt weiterführende Infos zu dieser Farbe.

Norwegische Waldkatzen haben viele Sechser im Lotto

Eine Katzenrasse, die Lotto spielt? Nein, soweit ist es selbst bei den intelligenten und neugierigen Norwegern dann doch noch nicht. Glück scheinen sie dennoch ausgesprochen häufig zu haben, zumindest wenn man dem Aberglauben von der glücksbringenden, dreifarbigen Katze Glauben schenken mag. Auf Züchterseiten und Katzenausstellungen darf ich schon seit längerem beobachten, wie erstaunlich viele dreifarbige Kitten geboren werden. Mag das alleine für den informierten Katzenfreund aufgrund der hohen Anzahl roter Kater (Anmerkung: Um dreifarbige Kitten zu bekommen bedarf es eines roten und eines nicht-roten Elterntieres) noch nicht verwunderlich sein, so wird folgender Fakt doch erstaunen: Eine ungewöhnliche Anzahl dieser dreifarbigen Kitten sind Kater.

Spannend:

Der Sage nach zogen Norwegische Waldkatzen den Wagen der nordischen Göttin Freya, die für Liebe und Fruchtbarkeit steht.

Dreifarbige Kater sind das, was in der Katzenwelt als Sechser im Lotto bezeichnet wird, denn die Farbe einer Katze liegt im weiblichen Erbgut, also auf dem X-Chromosom. Kommen nun ein roter Kater und eine schwarze Katze zusammen und bekommen weiblichen Nachwuchs, trägt dieser sowohl die Farbinformationen für rot, als auch für schwarz. Schildpattkatzen oder – wenn auch weiß mit im Spiel ist – dreifarbige Katzen entstehen. Da aber ein Kater nur ein X-Chromosom hat, kann eigentlich keine Dreifarbigkeit auftreten. Passiert dies doch, vermuten Genetiker eine Genmutation und eine damit verbundene Dopplung des X-Chromosoms beim Kater. Genetisch betrachtet ist der Kater also „zu weiblich“ und daher in vielen Fällen auch unfruchtbar.

Um dreifarbige Katzen zhu bekommen, braucht es ein rotes Elterntier. |Foto: Thomaspedrazzoli - pixabay.com

Um dreifarbige Katzen zhu bekommen, braucht es ein rotes Elterntier. |Foto: Thomaspedrazzoli – pixabay.com

Warum die Dreifarbigkeit bei Katern unter Norwegischen Waldkatzen häufiger vorkommt, ließ sich bis dato für mich nicht herausfinden.

Zusammenleben mit Norwegern

Eine Züchterin, die nicht nur mit Norwegern, sondern auch mit einer Birmakatze zusammenlebte, beschrieb mir einmal die Norwegische Waldkatze als menschenbezogen ohne aufdringlich zu sein. Die Norweger, die ich kennen lernen durfte, zeigten sich  bei „ihren“ Menschen tatsächlich recht aufgeschlossen, Fremden gegenüber aber vergleichsweise reserviert. Obwohl Norwegische Waldkatzen ihre Streicheleinheiten genießen – gerne in Verbindung mit Ritualen – lieben sie auch ihre Unabhängigkeit. Eine klassische Schmusekatze ist die Norwegische Waldkatze also nicht, wohl aber eine aufgeweckte und ausdauernde Spielerin, an der auch Kinder ihre Freude haben, wenn sie sich nicht – durch häufiges auf den Arm nehmen – ihrer geliebten Freiheit berauben.

Da die Norwegische Waldkatze gerne geistig gefördert werden möchte, in Wohnungshaltung als Ersatz für das jagen, braucht es als Halter zudem kreative Ideen – und von diesen haben Kinder bekanntlich reichlich.

Im Mehrkatzenhaushalt sollte darauf geachtet werden, dass die zusammengehaltenen Rassen charakterlich miteinander harmonieren. Eher sanft spielende Rassen, wie Ragdolls und Birmas, fühlen sich mit den Norwegischen Waldkatzen nicht so wohl wie Maine Coon, Sibirische Waldkatzen oder Hauskatzen.

Infokasten
Für  Anfänger geeignet: Meistens geeignet
Für Familien mit Kindern geeignet: Meistens geeignet
Für größere Katzengruppen geeignet: Meistens geeignet
_____________________________________________________
Aktivitätslevel: Hoch
Haltungsaufwand: Mittel
Anhänglichkeit: Mäßig anhänglich

Krankheiten bei Norwegischen Waldkatzen

Wie eingangs erwähnt gehören die Norwegischen Waldkatzen (noch) zu den tendenziell gesünderen Rassen. Leider ist inzwischen auch hier die gefürchtete Hypertrophe Kardiomyopathie, besser bekannt unter dem Kürzel HCM, angekommen – wenn sie auch nicht ganz so verbreitet ist wie bei den Maine Coons. Nur konsequenter und regelmäßiger Herzultraschall kann dieser tödlich verlaufenden Erbkrankheit Einhalt gebieten, weshalb auch Interessenten, die eine Norwegische Waldkatze kaufen möchten, darauf bestehen sollten, dass die Züchter Schallergebnisse für die Elterntiere vorlegen können.

 

Übrigens:

Der Gentest für HCM gilt bis heute allgemein als unsicher und wenig aussagekräftig, da er nicht alle Gene umfasst, auf denen sich die gefürchtete Herzkrankheit verbergen kann.

Ebenfalls relevant bei den Norwegern ist die Stoffwechselerkrankung GSD-IV. Durch einen Gentest kann einfach festgestellt werden, ob Elterntiere Träger des auslösenden Gens sind. Diese Tiere müssen selbstverständlich aus der Zucht genommen werden. Kommt ein Tier mit GSD-IV auf die Welt, ist es meist schon tot oder überlebt nur wenige Stunden. Seltenst erreichen diese Tiere das Abgabealter und werden auch dann maximal ein Jahr alt.

Bei weißen Norwegern ist – wie bei allen weißen Katzen – ein Audiometrietest unabdinglich, um festzustellen, ob das Kitten hören kann. Ein Klatschtest reicht nicht aus!

 

Fazit: Die Norwegische Waldkatze passt gut in Haushalte, die eine ursprüngliche und dennoch menschenbezogene Katze suchen.

Titelbild: ©Astrid Gast – Fotolia.com

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