Hunde, Hunderassen
Kommentare 2

Französische Bulldogge – Rassebeschreibung der kleinen Molosser

Sie sind die Stars des Internets, die kleinen Kraftpakete auf krummen Hundebeinen. Französische Bulldoggen erobern zunehmend die Herzen von Hundefreunden mit viel Charme, Charakter und natürlich in Form eines recht angenehmen Familienhundes. Kurz: die Französische Bulldogge ist zum Modehund geworden. Die kleinen Molosser, die auf eine lange, züchterische Tradition zurückblicken mag die neu aufgekeimte Bewunderung für sie sicher freuen, ihrer Gesundheit tut dies bekanntermaßen nicht immer gut. Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass die Französische Bulldogge mit rassetypischen Krankheiten zu kämpfen hat und selbst in einer noch so wohlwollenden Rassebeschreibung der Französischen Bulldogge werden diese selten verschwiegen. Trotz ihrer genetischen Belastung sind die „Frenchies“, wie sie von Liebhabern genannt werden, verantwortungsvoll gezüchtet jedoch alles andere als die röchelnden Couchpotatoes, als die sie unter Kritikern verschrien sind.

Infokasten
Für Anfänger geeignet: Bedingt geeignet
Für Familien mit Kindern geeignet: Meistens geeignet
Für ältere und behinderte Menschen geeignet: Meistens geeignet
_______________________________________________________________
Aktivitätslevel: Gering
Beschäftigungslevel: Gering
Erziehung: Tendenziell schwierig

Französische Bulldoggen wurden auf Leistung gezüchtet

Schauen wir uns die kleinen Hunde mit den kurzen Beinen und dem gedrungenen Körperbau heute an, ist es kaum vorzustellen, dass die Französische Bulldogge in der Vergangenheit wie alle Hunde vor allem dazu gezüchtet wurde, gute Arbeit zu leisten. Ihren Ursprung haben die Frenchies als „Bullenbeisser“. Wie der Name bereits verrät, wurden diese Hund früher darauf gezüchtet, sich in wilden Bullen festzubeißen. Auch für die Jagd auf anderes, wehrhaftes Wild und zur Verteidigung vor Bären wurden sie eingesetzt.

Die Französische Bulldogge in dem Video unten kann ihr genetisches Erbe an diesem Punkt sichtlich nicht leugnen.

Ihre frühere Verwendung ist auch der Grund für die flache Nase der Französischen Bulldogge. Diese wurde nah an den Kopf gezüchtet, damit die Hunde auch bei festem Biss immer noch genug Platz zum Atmen haben.
Inzwischen wird leider aufgrund der zu stark steigenden Nachfrage von einigen Züchtern – man möchte sie vor allem Vermehrer nennen – nicht mehr auf Qualität, sondern auf Quantität in der Zucht gesetzt. Brachyzcephalie, eine erbliche Schädeldeformation, die sich in einem verdickten und verlängertem Gaumensegel, einer zu breiten Zunge und einem zu kleinen Kehlkopf und der daraus resultierenden Atemstörung äußern kann. Auch eine verschlechterte Thermoregulierung kann beim brachyzephalen Syndrom beobachtet werden. Betroffene Hunde können ihre Körpertemperatur nicht mehr ausreichend selbstständig regeln.

Gut zu wissen:
Gut zu wissen: Der VDH versucht Überzüchtungserscheinungen mit Belastungstests für Zuchthunde entgegen zu wirken. Tiere, die zur Zucht zugelassen werden sollen, müssen ohne größere Belastungsanzeichen eine Laufstrecke von einem Kilometer in acht Minuten bewältigen.

Französische Bulldoggen als Begleit- und Gesellschaftshund

Mit der Veränderung in der Jagd änderte sich auch der Gebrauch der Molosser. Verschiedene Typen bildeten sich heraus, wie zum Beispiel die Englische Bulldogge, der Boxer, aber auch die Französische Bulldogge. Eine kurze Karriere als Kampfhund legte diese ebenfalls hin, dieses dunkle Kapitel ihrer Rassegeschichte liegt heute aber zum Glück hinter ihr. Inzwischen ist die Französische Bulldogge ein beliebter und angenehmer Gesellschaftshund. Bedingungslosen Gehorsam sollte man als Besitzer eines Frenchies allerdings nicht erwarten, denn die Hunde sind nicht nur optisch echte Dickköpfe. Das macht die Erziehung von Frenchies manchmal zu einer Herausforderung, der man sich jedoch natürlich unbedingt stellen muss.
Wenn auch der tatsächliche Will to please gelegentlich etwas zu wünschen übrig lässt, so schätzen Halter von Französischen Bulldoggen vor allem ihren Charme und ihr freundliches Gemüt. Französische Bulldoggen haben Spaß daran, „ihren“ Menschen zum Lachen zu bringen und als Clown im Mittelpunkt zu stehen. Zahlreiche Videos auf Youtube, die sich über Social Media wie ein Lauffeuer verbreiten, sind Beweis für dieses ausgeprägte Talent.

Französische Bulldoggen sind - anders als ihr Ruf lautet - keine Couchpotatoes. |Foto: Nicolas de Camaret - flickr.com

Französische Bulldoggen sind – anders als ihr Ruf lautet – keine Couchpotatoes. |Foto: Nicolas de Camaret – flickr.com

7 Fakten über Bullies

Hund ist gleich Hund? Von wegen! Hier sind … Fakten zur Haltung, in denen sich Französische Bulldoggen von vielen anderen Hunderassen unterscheiden.

  1. Aufgrund ihres Körperbaus und die damit verbundene „bodennähe“ sowie dem kurzen Fell neigen Französische Bulldoggen dazu, zu frieren. Ein Mantel im Winter – natürlich hundegerecht – ist deshalb für Frenchies keine bloße Modespielerei.
  2. Französische Bulldoggen neigen gelegentlich aufgrund zu enger Nasenscheidewände und/oder einem zu langen Gaumenzäpfchen zum Schnarchen. In schlimmen Fällen von Luftnot kann nur eine Operation helfen.
  3. Die Französische Bulldogge wird von Laien oft mit dem Mops verwechselt. Charakterlich sind die Unterschiede dieser beiden Rassen jedoch recht groß.
  4. Die anerkannten Farben der Französischen Bulldoggen sind schwarzweiß, gestromt und fawn. Schwarzweiß ist die derzeit vorherrschende Fellfarbe.
  5. Französische Bulldoggen ertragen keine große Hitze. Im Hochsommer sollten die Spaziergänge daher nicht zu lang sein und in den Abendstunden stattfinden.
  6. Französische Bulldoggen „reden“ gerne. Durch leises fiepen, grunzen und andere Geräusche. Die Bandbreite ist selbst für Besitzer manchmal überraschend und amüsant.
  7. Einige Züchter setzen bei ihren Französischen Bulldoggen auf künstliche Befruchtung, wie franzoesischebulldogge.net verrät. Die Tiere seien „Sexmuffel“, weil sie sich aufgrund ihrer Atemprobleme ungern körperlich anstrengen. Ob man jedoch mit Tieren, die diese Kondition nicht leisten können, überhaupt züchten sollte, bleibt zweifelhaft.

Spielkumpane und Sportkumpel

Natürlich kann man mit einer Französischen Bulldogge nicht das nächste Hunderennen gewinnen und auch der erste Platz beim Agility liegt in weiter Ferne. An moderatem Hundesport haben jedoch auch die muskelbepackten Bullies ihren Spaß und er ist außerdem Gesundheit und Kondition dienlich. Gleiches gilt für ausgelassenes Spiel mit Artgenossen. Zartbesaitet sollte der Sparingspartner dabei jedoch nicht sein, denn Französische Bulldoggen sind kleine Raufer und spielen sehr körperbetont, allerdings in der Regel ohne dabei boshaft zu sein. Trotzdem ist es ratsam, dem Französische Bulldoggen Welpen schon früh beizubringen, Grenzen von Mensch und Tier zu akzeptieren.

Französische Bulldoggen spielen und raufen sehr körperbetont, jedoch immer freundlich. | Foto: ©825545 - pixabay.com

Französische Bulldoggen spielen und raufen sehr körperbetont, jedoch immer freundlich. | Foto: ©825545 – pixabay.com

Hat er das einmal gelernt, offenbart sich die Französische Bulldogge als verspielter, ausdauernder und ausgesprochen geduldiger Kinderkumpel. Ungeschickte Berührungen nimmt sie in der Regel nicht übel, was natürlich nicht heißen soll, dass im Umgang zwischen Kind und Hund nicht dennoch die übliche Vorsicht geboten ist und beide Seiten Rücksicht üben lernen müssen.

Fazit: Die Französische Bulldogge hat auch aufgrund des Trends, welchem sie ausgesetzt ist, mit einigen rassespezifischen Krankheiten zu kämpfen. Ob ihres liebevollen Charakters und der optimalen Eignung als Gesellschaftshund bleibt zu hoffen, dass sich zunehmend mehr verantwortungsbewusste Züchter ihrer annehmen. Gesunde, beschwerdefreie Frenchies sind auf jeden Fall nicht zum Schleuderpreis zu haben und der Züchter sollte dem interessierten Käufer tierärztliche Nachweise zur Gesundheit der Elterntiere, wie zum Beispiel die Ergebnisse eines Herzultraschalls, vorlegen können.

 

Kategorie: Hunde, Hunderassen

von

Als freie Online-Redakteurin lebe und arbeite ich in Hamburg. Tiere waren schon immer meine Leidenschaft und mit Wissgetierig habe ich mir einen Traum erfüllt: Ein eigenes Blogazin rund um das Thema Tiere, mit Artikeln die Mehrwert bieten.

2 Kommentare

  1. Hallo Linda, ich denke die Züchter in den Verbänden sind nicht so das Problem. Hier wird mittlerweile darauf geachtet, dass die Hunde gesund sind. Qualzuchten findet man jedoch in der Regel bei exportierten Hunden und leider auch bei manchen Hobyzüchtern. Viele Grüße Hans Peter

    • Hallo Hans Peter,

      ich bin grundsätzlich ein Freund von kontrollierter Vereinszucht und gegen Schwarzzucht. Allerdings kann ich dir bei Französischen Bulldoggen und deren Problemen nicht komplett zustimmen. Die gesundheitlichen Tests vor Zuchtbeginn mit einem Hund sind eher mangelhaft, auf wirkliche Fitness des Hundes wird meines Erachtens nach kein oder nur Wert gelegt. Stattdessen werden Züchter, die sich bewusst dafür entscheiden Tiere mit mehr Nase / einem längeren Fang zu züchten, aus dem Dachverband gedrängt. Das ist der falsche Weg.

      Im Übrigen sind fast alle Züchter in Deutschland – auch die, welche einem Verein angebunden sind, „Hobbyzüchter“. Gewerbliche Zuchten gibt es kaum welche in Deutschland. Der Begriff Hobbyzucht wird leider oft falsch verwendet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.