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Norwegische Waldkatze – Rassebeschreibung der Waldtrolle

Sie hat sich nicht nur optisch ihre Ursprünglichkeit bewahrt, die Norwegische Waldkatze. Ihr dichtes, robustes Fell, die Schneeschuhe und der wache Blick, dem keine Maus entgeht, sprechen von Zeiten, in denen diese Katzen noch unbehelligt durch norwegische Wälder streiften. Tatsächlich ist seitdem züchterisch noch nicht allzu viel passiert. Das Fell ist etwas weicher, die Nase etwas länger geworden. Ansonsten hat sich die Norwegische Waldkatze im wahrsten Sinne des Wortes „gut gehalten“ und ist bis dato zwar nicht ganz von rassespezifischen Krankheiten verschont, erfreut sich aber im Allgemeinen einer sehr guten Gesundheit. Es liegt, wie so oft, in der Verantwortung der Züchter und der kritischen Kittenkäufer, ob dies so bleibt. Denn inzwischen ist die Norwegische Waldkatze zur Moderasse geworden und mit der steigenden Nachfrage vermehren sich erfahrungsgemäß auch die schwarzen Schafe unter den Züchtern.

Warum ist die Norwegische Waldkatze so beliebt?

Katzenausstellungen geben immer einen guten Anhaltspunkt darauf, welche Katzenrasse das Herz von Züchtern und Haltern zurzeit im Sturm erobert. Zumindest im norddeutschen Raum scheint die Norwegische Waldkatze ihren amerikanischen Verwandten, den Maine Coons, allmählich den Rang abzulaufen. Das mag auch daran liegen, dass die beliebten „Coonies“ vermehrt mit Herzproblemen wie HCM oder Gelenksbeschwerden wie Arthrose zu kämpfen haben.

Aber natürlich schaffen es die Norwegischen Waldkatzen nicht nur wegen ihrer vergleichsweise besseren Gesundheit, ihre Liebhaber um die Pfote zu wickeln. Die Katzen, die von vielen auch liebevoll „Waldtrolle“ genannt werden, haben einen ganz besonderen Charme und vor allem den Schalk im Nacken. Mit den aktiven Katzen wird es nicht mehr langweilig und da Norweger sich auch sehr gut mit anderen Katzen vertragen, steht einem im wahrsten Sinne des Wortes bunten Treiben nichts mehr im Wege.

Apropos bunt: Ihre Farbenvielfalt ist sicher ein weiterer Grund, wieso die Norwegische Waldkatze so bliebt ist.

Ihre Farbvielfalt macht die Norwegische Waldkatze sehr beliebt. | Foto: Eric Isselée - fotolia.com

Ihre Farbvielfalt macht die Norwegische Waldkatze sehr beliebt. | Foto: Eric Isselée – fotolia.com

Farbe mit Charakter – Amber

Amber ist nicht nur eine Farbe, die von vielen Norwegerfreunden als ausgesprochen schön empfunden wird, sie ist den Norwegischen Waldkatzen auch ganz eigen. Bei keiner anderen Rasse kommt diese seltene Fellfärbung vor, bei der die Katzen zunächst recht dunkel zur Welt kommen und an die weit verbreiteten black tabbys, Katzen mit dunklem Fellmuster auf grauem oder braunem Fell, erinnern. Im Alter von etwa fünf Wochen zeigen sich zwischen den dunklen Haaren immer mehr Rottöne. Voll ausgefärbt sind Norwegische Waldkatzen in der Farbe Amber erst mit etwas über vier Jahren. Das macht die kleinen Kitten, ähnlich wie Pointkatzen bei Ragdolls, Birmas und Siamesen, zu kleinen aber interessanten Überraschungspaketen.

Verantwortlich für die Farbe Amber ist ein mutiertes Farbgen in den Katzen, welches Einfluss auf die Schwarzfärbung nimmt. Da sich dieses seltene Gen rezessiv vererbt und somit beide Elterntiere Träger dieser Farbmutation sein müssen, brachte nach den ersten Zufällen erst gezielte Züchtung die Farbe Amber in den Norwegischen Waldkatzen hervor.

Auf ihrer Seite stellt eine Züchterin der Norwegischen Waldkatzen mittels Fotomaterial anschaulich die Entwicklung von Amberkatzen dar und gibt weiterführende Infos zu dieser Farbe.

Norwegische Waldkatzen haben viele Sechser im Lotto

Eine Katzenrasse, die Lotto spielt? Nein, soweit ist es selbst bei den intelligenten und neugierigen Norwegern dann doch noch nicht. Glück scheinen sie dennoch ausgesprochen häufig zu haben, zumindest wenn man dem Aberglauben von der glücksbringenden, dreifarbigen Katze Glauben schenken mag. Auf Züchterseiten und Katzenausstellungen darf ich schon seit längerem beobachten, wie erstaunlich viele dreifarbige Kitten geboren werden. Mag das alleine für den informierten Katzenfreund aufgrund der hohen Anzahl roter Kater (Anmerkung: Um dreifarbige Kitten zu bekommen bedarf es eines roten und eines nicht-roten Elterntieres) noch nicht verwunderlich sein, so wird folgender Fakt doch erstaunen: Eine ungewöhnliche Anzahl dieser dreifarbigen Kitten sind Kater.

Spannend:

Der Sage nach zogen Norwegische Waldkatzen den Wagen der nordischen Göttin Freya, die für Liebe und Fruchtbarkeit steht.

Dreifarbige Kater sind das, was in der Katzenwelt als Sechser im Lotto bezeichnet wird, denn die Farbe einer Katze liegt im weiblichen Erbgut, also auf dem X-Chromosom. Kommen nun ein roter Kater und eine schwarze Katze zusammen und bekommen weiblichen Nachwuchs, trägt dieser sowohl die Farbinformationen für rot, als auch für schwarz. Schildpattkatzen oder – wenn auch weiß mit im Spiel ist – dreifarbige Katzen entstehen. Da aber ein Kater nur ein X-Chromosom hat, kann eigentlich keine Dreifarbigkeit auftreten. Passiert dies doch, vermuten Genetiker eine Genmutation und eine damit verbundene Dopplung des X-Chromosoms beim Kater. Genetisch betrachtet ist der Kater also „zu weiblich“ und daher in vielen Fällen auch unfruchtbar.

Um dreifarbige Katzen zhu bekommen, braucht es ein rotes Elterntier. |Foto: Thomaspedrazzoli - pixabay.com

Um dreifarbige Katzen zhu bekommen, braucht es ein rotes Elterntier. |Foto: Thomaspedrazzoli – pixabay.com

Warum die Dreifarbigkeit bei Katern unter Norwegischen Waldkatzen häufiger vorkommt, ließ sich bis dato für mich nicht herausfinden.

Zusammenleben mit Norwegern

Eine Züchterin, die nicht nur mit Norwegern, sondern auch mit einer Birmakatze zusammenlebte, beschrieb mir einmal die Norwegische Waldkatze als menschenbezogen ohne aufdringlich zu sein. Die Norweger, die ich kennen lernen durfte, zeigten sich  bei „ihren“ Menschen tatsächlich recht aufgeschlossen, Fremden gegenüber aber vergleichsweise reserviert. Obwohl Norwegische Waldkatzen ihre Streicheleinheiten genießen – gerne in Verbindung mit Ritualen – lieben sie auch ihre Unabhängigkeit. Eine klassische Schmusekatze ist die Norwegische Waldkatze also nicht, wohl aber eine aufgeweckte und ausdauernde Spielerin, an der auch Kinder ihre Freude haben, wenn sie sich nicht – durch häufiges auf den Arm nehmen – ihrer geliebten Freiheit berauben.

Da die Norwegische Waldkatze gerne geistig gefördert werden möchte, in Wohnungshaltung als Ersatz für das jagen, braucht es als Halter zudem kreative Ideen – und von diesen haben Kinder bekanntlich reichlich.

Im Mehrkatzenhaushalt sollte darauf geachtet werden, dass die zusammengehaltenen Rassen charakterlich miteinander harmonieren. Eher sanft spielende Rassen, wie Ragdolls und Birmas, fühlen sich mit den Norwegischen Waldkatzen nicht so wohl wie Maine Coon, Sibirische Waldkatzen oder Hauskatzen.

Infokasten
Für  Anfänger geeignet: Meistens geeignet
Für Familien mit Kindern geeignet: Meistens geeignet
Für größere Katzengruppen geeignet: Meistens geeignet
_____________________________________________________
Aktivitätslevel: Hoch
Haltungsaufwand: Mittel
Anhänglichkeit: Mäßig anhänglich

Krankheiten bei Norwegischen Waldkatzen

Wie eingangs erwähnt gehören die Norwegischen Waldkatzen (noch) zu den tendenziell gesünderen Rassen. Leider ist inzwischen auch hier die gefürchtete Hypertrophe Kardiomyopathie, besser bekannt unter dem Kürzel HCM, angekommen – wenn sie auch nicht ganz so verbreitet ist wie bei den Maine Coons. Nur konsequenter und regelmäßiger Herzultraschall kann dieser tödlich verlaufenden Erbkrankheit Einhalt gebieten, weshalb auch Interessenten, die eine Norwegische Waldkatze kaufen möchten, darauf bestehen sollten, dass die Züchter Schallergebnisse für die Elterntiere vorlegen können.

 

Übrigens:

Der Gentest für HCM gilt bis heute allgemein als unsicher und wenig aussagekräftig, da er nicht alle Gene umfasst, auf denen sich die gefürchtete Herzkrankheit verbergen kann.

Ebenfalls relevant bei den Norwegern ist die Stoffwechselerkrankung GSD-IV. Durch einen Gentest kann einfach festgestellt werden, ob Elterntiere Träger des auslösenden Gens sind. Diese Tiere müssen selbstverständlich aus der Zucht genommen werden. Kommt ein Tier mit GSD-IV auf die Welt, ist es meist schon tot oder überlebt nur wenige Stunden. Seltenst erreichen diese Tiere das Abgabealter und werden auch dann maximal ein Jahr alt.

Bei weißen Norwegern ist – wie bei allen weißen Katzen – ein Audiometrietest unabdinglich, um festzustellen, ob das Kitten hören kann. Ein Klatschtest reicht nicht aus!

 

Fazit: Die Norwegische Waldkatze passt gut in Haushalte, die eine ursprüngliche und dennoch menschenbezogene Katze suchen.

Titelbild: ©Astrid Gast – Fotolia.com

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Kategorie: Katzen, Katzenrassen

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Als freie Online-Redakteurin lebe und arbeite ich in Hamburg. Tiere waren schon immer meine Leidenschaft und mit Wissgetierig habe ich mir einen Traum erfüllt: Ein eigenes Blogazin rund um das Thema Tiere, mit Artikeln die Mehrwert bieten.

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